Allergie

Mehr Lebensqualität trotz Nahrungsmittelallergie

Versteckte „Überraschungen”

GÜTERSLOH – Nach dem Frühstücksmüsli kribbeln Nase und Augen, Lippen und Rachen schwellen an. Der exotische Früchtecocktail war köstlich – doch wenige Stunden später ist die Haut übersät mit heftig juckenden Quaddeln. Nahrungsmittelallergien können den Alltag ziemlich „sauer“ machen...

„Sieben bis acht Prozent aller Kinder und noch zwei bis drei Prozent der Erwachsenen leiden an einer Nahrungsmittelallergie“, berichtet Prof. Dr. Bodo Melnik, Hautarzt und Allergologe aus Gütersloh. „Und sogar jeder Dritte zeigt Intoleranzen gegenüber Lebensmittelinhaltsstoffen, vor allem gegenüber Zusatzstoffen wie Konservierungs- oder Farbstoffen.“ Nach dem Verzehr unverträglicher Nahrungsmittel bekommen manche Betroffenen Niesattacken, Lippen und Rachen jucken und schwellen manchmal an oder die Haut reagiert mit Nesselsucht (Urtikaria). Nahrungsmittelallergien können sich auch durch Übelkeit oder Durchfall bemerkbar machen. In schweren Fällen kann es sogar zu  Atemnot bis hin zum Kreislaufschock kommen. Atopiker, die an Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma leiden, sind besonders gefährdet, auch auf Nahrungsmittel allergisch zur reagieren.

„Für die Betroffenen ist es nicht immer ganz einfach, herauszufinden, wogegen sie allergisch sind“, berichtet Melnik. Gezielte Allergietests bei einem erfahrenen Dermatologen sorgen für Aufklärung. „Die Auslöser müssen dann künftig so gut wie möglich gemieden werden“, rät Melnik.

Ein großes Problem sind jedoch „versteckte“ Allergene in Lebensmitteln. In so manchem Fertiggericht ist beispielsweise ganz unvermutet Soja oder Milchpulver enthalten. Wer darauf allergisch reagiert, sollte vorsichtshalber auf Fertigprodukte verzichten, deren Bestandteile unklar sind.

„Dermatologen und Allergologen setzen sich seit Jahren dafür ein, die Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel zu verschärfen“, berichtet Melnik. Die neuen EU-Vorschriften seien „ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“: Demnach sind Lebensmittelhersteller verpflichtet, die wichtigsten möglichen Auslöser von Nahrungsmittelallergien auf vorverpackten Lebensmitteln zu deklarieren, wenn sie zu den Inhaltsstoffen der Rezeptur gehören: Dazu zählen glutenhaltiges Getreide, Mandeln, Nüsse und Erdnüsse, Krebstiere, Ei, Fisch, Soja, Milch, Sellerie, Senf, Sesamsamen, Schwefeldioxid und Sulfite. Für zusammengesetzte Zutaten, die weniger als zwei Prozent des Inhalts ausmachen, sowie für Gewürz- und Kräutermischungen ist eine Angabe der Bestandteile  jedoch auch weiterhin nicht zwingend.

„Doch bei hochgradig allergischen Patienten genügen schon geringste Spuren des Allergens, um Beschwerden auszulösen“, warnt Melnik. Für sie können vielleicht schon Kleinstmengen Sellerie in Gewürzbeimischungen oder Spuren von Haselnüssen, die bei der Herstellung in Vollmilchschokolade geraten sind, riskant sein.

Um allergiekranken Verbrauchern künftig mehr Sicherheit bei der Auswahl geeigneter Lebensmittel zu geben, hat daher die Europäische Stiftung für Allergieforschung (European Centre für Allergy Research Foundation; ECARF) ein besonderes Qualitäts-Siegel entwickelt: Das Allergie-Siegel wird für allergikerfreundliche Produkte vergeben, deren Zutatenliste über die gesetzlich geforderten Inhaltsstoffe hinaus weitere häufige Allergene in der Rezeptur deklariert. Dazu zählen unter anderem Gewürze wie Anis oder Koriander, Gemüse wie Tomate oder Karotte, Obst wie Kiwi oder Mango. Zudem wird kontrolliert, ob die Produkte unbeabsichtigt mit einem der in der EU-Norm genannten Allergene kontaminiert wurden.

Völlige Sicherheit gewähren doch auch solche Informationen nicht. Im Einzelfall sind allergische Reaktionen auf jeden Nahrungsmittelbestandteil möglich. Nahrungsmittelallergiker sollten sich unbedingt ausführlich von einem Allergologen beraten lassen, empfiehlt Melnik. Der Facharzt wird die individuellen Auslöser abklären und falls erforderlich durch einen Provokationstest die Schwellendosis ermitteln.  Wer in der Vergangenheit schon mit schweren Symptomen bis hin zu Atembeschwerden oder Kreislaufproblemen reagiert hat, sollte sich außerdem eine Notfallmedikation zusammenstellen lassen und diese immer mitführen.




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